Urwaldfeeling

Zur Zeit machen wir Halt in Goya, einer kleinen Stadt am Rande des Rio Paraná. Je weiter wir nach Norden kommen, desto tropischer wird es. Große Eidechsen kreuzen unsere Wege und eine erste große Schlange lag breitgefahren auf der Straße. Die Temperaturen erreichen mittlerweile locker 32 Grad und die Luft ist sehr feucht. Auf dem Weg von Rosario nach Goya sahen wir immer wieder überschwemmte Wiesen und auch Goya kämpft mit dem Hochwasser. So ist der offizielle Weg zu unserer neuen Bleibe gesperrt und Pablo, der Hausverwalter, holt uns von der Tankstelle ab und führt uns über Umwege zur „Casa Azul“.

Das Haus liegt nur wenige Meter vom Fluss entfernt. Als wir es betreten, riechen wir, dass das Wasser noch vor wenigen Tagen mindestens bis zur Türschwelle stand. Das Erdgeschoss ist muffig und dunkel und mir fällt es gerade schwer, mich daran zu erinnern, dass ich ja auf Reisen gegangen bin, um meine Komfortzone mal zu verlassen. Christian überzeugt Pablo, uns auch das Dachgeschoss zu zeigen. Hier sind die Zimmer hell, gemütlicher und weniger muffig. Die einzigen Wermutstropfen sind die kleinen Mitbewohner, Frösche. Uns zieht’s trotzdem ins Dach. Die erste Nacht ist unruhig. Klimaanlage und Ventilator schaffen zwar kühle Temperaturen, aber den Muff können sie nicht verdrängen. Die Fenster zu öffnen, ist auch keine gute Idee, denn draußen warten neben der Hitze, Heerscharen von Mücken. Zudem erzeugen Vögel und Insekten eine Geräuschkulisse, dass das Einschlafen zur Herausforderung wird.

Am nächsten morgen erscheint die Welt schon wieder freundlicher. Im Garten blühen bunte Sträucher und wir haben Bananenstauden vor dem Haus. So oder so ähnlich muss es im Regenwald sein. Wir brechen auf, um die Umgebung zu erkunden. Der Duft frischen Kaffees lockt uns in ein Lokal. Wir sind die einzigen Gäste von Melody und sie widmet uns ihre volle Aufmerksamkeit. Von Portugiesisch über Spanisch zum Englischen ins Deutsche plaudern wir munter den ganzen Vormittag und verabreden uns für heute Nacht, um dann der Livemusik zu lauschen und vielleicht die hochgelobte Pizza zu probieren.

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