Schöne Begegnungen

Heute haben wir in einer kleinen Bar einen Kubaner kennengelernt, der zwölf Jahre in Berlin gelebt hat. Evelio ist Schriftsteller und hat sich vor ein paar Monaten seinen Traum einer eigenen Bar verwirklicht. Im Gespräch kommen wir auf unsere aktuell illegale Wohnsituation zu sprechen.

Als wir am Sonntag im größten Regen hier angekommen sind, führte uns ein junger Mann durch den Hintergang eines Restaurants, über staubige Straßen zu drei alten Damen, wo wir ein kleines Zimmer bezogen. Unsere Vermieterin aus Varadero hatte uns diese Unterkunft schon vor Tagen besorgt. Wir wunderten uns, da wir gar keinen blauen Anker, das Zeichen der Casa particular, an der Haustür gesehen haben und auch sehr unterkühlt begrüßt wurden. Als wir dann am Morgen aufbrechen wollten und uns mit einem „hasta luego“ bis später verabschiedeten, reagierten die Damen erschrocken. Sie waren davon ausgegangen, dass wir nach einer Nacht wieder weiterziehen. Wir waren etwas perplex und statt Viñales zu erkunden, machten wir uns dran, unsere Sachen wieder zu packen. Zwischenzeitlich hatten die Damen eine geschäftstüchtige Nachbarin angerufen, die herbeigeeilt kam. Sie versicherte uns, dass alles kein Problem und nur ein Missverständnis sei und wir gern bis zu unserer Abreise bleiben könnten. Verwirrt, aber ganz froh, nicht auf der Straße zu stehen, stellten wir unsere Koffer wieder ab. Die Leute aus dem Restaurant haben die Damen wohl übers Ohr gehauen. Sie hatten ihnen erzählt, wir Teil einer Reisegruppe sind, die größer ausgefallen war als geplant und nur für eine Nacht Unterschlupf brauchten. Da es in Kuba streng verboten ist, ohne Lizenz Ausländer bei sich aufzunehmen, fühlen wir uns hier nicht mehr so wohl. Obwohl die Damen mittlerweile sehr freundlich und aufgeschlossen sind.

Unser kubanischer Barbesitzer fackelt nicht lange und zieht sofort los in die Nachbarschaft. Ein paar Minuten später kommt er mit einer neuen Bleibe für uns wieder. So können wir schon morgen umziehen. Beschwingt von dieser glücklichen Begegnung ziehen wir weiter und spazieren raus durch die grünen Felder Viñales. An einem Ananasfeld biegen wir ab, um zu einem Aussichtspunkt zu gelangen. Statt des Miradors treffen wir wieder auf eine kleine Bar, diesmal umgeben von Tabakfeldern. Bisamratten spielen im Staub und Raoul, der Farmer, bietet uns seine selbstgedrehten Zigarren an. Wir probieren die Pina Colada des Hauses und kommen mit einem jungen Paar aus Leipzig ins Gespräch. Die zwei sind sehr sympathisch und ehe wir uns versehen, ist es Abend.

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