Zu Besuch beim Schamanen

Gastgeber Ken führt uns heute in das Indianer-Reservat der Bribrí. Mit von der Partie ist ein Paar aus Israel, das sich gestern auf die Farm verlaufen hatte. Nach etwa einer halben Stunde halten wir auf der staubigen Schotterstraße. Die Sonne brennt schon wieder heiß als wir an ein paar Hütten vorbei, durch einen Garten gehen und zu einem kegelförmigen Bau aus Palmenblättern kommen. Die niedrige Tür erlaubt einen kurzen Blick in die dunkle Hütte. Hier ist die Praxis von Don Lizandro, dem ethno-botanischen Arzt hier im Ort. Er bittet uns hinein und begrüßt uns in der Sprache der Bribrí. Ein kleines Feuer in der Mitte und eine Öffnung in der Spitze des Daches spenden ein wenig Licht. Wir nehmen auf den Holzbänken Platz und umgeben von seinen Arbeitsutensilien, wie heilenden Hölzern, Schildkrötenpanzern, Kräutern und dem würzigen Rauch des kleinen Feuers erzählt er uns von der Kultur, den Riten und den Traditionen seines Stammes und lädt uns zu einer Begrüßungszeremonie ein. Mit Hilfe von Rauch, dem Blatt eines…, Wasser, verschiedenen Mineralien und seinem Gesang verbindet er uns mit den fünf Elementen. Don Lizandro ist als AWÁ-Schamane weit mehr als nur wichtiger Ansprechpartner für den Stamm der Bribrí. Sowohl Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen, die den Austausch mit ihm suchen, wie auch Menschen aus Industrienationen, denen die konventionelle Medizin nicht mehr weiterhilft, machen sich auf den langen Weg zu ihm.

So verbunden mit der Natur sind wir nun in der richtigen Verfassung den benachbarten Wasserfall zu besuchen. Über einen schmalen, steilen Wanderweg durch dichten Wald und recht trockene Flussbetten, erreichen wir eine Ebene mit natürlichen Pools, durch die das Wasser fließt, bevor es vom Berg hinunterstürzt. Eine schöne Abkühlung bei dem feucht-warmen Wetter. Da es mittlerweile auch schon Mittagszeit ist, stärken wir uns nach dem Baden mit einem Picknick.

Von den wilden Pflanzen führt uns Ken in einen ethno-botanischen Garten. Hausherr, Don Catato, zeigt uns, wie die Früchte, Blätter und anderen Pflanzenteile der einheimischen Flora genutzt werden können. So wird der Kautschuk vom Gummibaum zum Beispiel als Kerze verwandt, viele Pflanzen haben heilenden Wirkung oder dienen der Unterhaltung, wie die Hülsenfrüchte, aus denen Musikinstrumente gemacht werden. Einige Pflanzen enthalten natürliche Farbstoffe, mit denen Beate sogleich gelbe Fingernägel und rote Lippen erhält. Aus den Fasern der … Blätter werden Textilien und Seile für Bögen gefertigt, mit denen wir ein Probeschießen veranstalten. Das Gift für die Pfeilspitzen wird von den Schleimhäuten kleiner giftiger und zu meist sehr farbenfroher Frösche gewonnen, die ebenfalls auf der Farm gezüchtet werden. Bevor wir wieder zurück zu Kens Farm fahren, zeigen uns die Frau von Don Catato und seine Töchter wie sie den hauseigenen Kakao zubereiten. Zuerst rösten sie ihn über dem offenen Feuer, danach wird er grob zerstoßen und am Ende in einem Fleischwolf fein zerrieben (siehe Video). Die Masse wird dann in heißes Wasser gegeben. Für die Europäer wird brauner Zucker hinzugefügt, die Bribrí trinken ihn am liebsten pur.

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