Mit Verspätung in den Badeurlaub

Für einen kubanischen Sonntag beginnt der Tag recht früh. Schon um acht gibt es Frühstück, da uns um zehn ein Taxi nach Varadero bringen soll. So einfach ist das hier aber nicht. Ein Taxi steht zwar pünktlich vor der Tür, doch als der Fahrer unser Gepäck sieht, springt er in sein Auto und düst davon. Nicht ohne uns zu versprechen, ein größeres Fahrzeug zu schicken. Wir lernen, es reicht also beim Bestellen des Taxis nicht aus, in drei verschiedenen Sprachen darauf hinzuweisen, dass wir vier große Koffer haben und auf die Versicherung des Taxivermittlers „no problemo“ zu vertrauen. Zwei Stunden später, und nach einigen bösen Anrufen unserer Vermieterin, verstauen wir unser Gepäck im Kofferraum eines alten amerikanischen Wagens und machen uns auf den vierstündigen Weg nach Varadero.

Dort angekommen, erwartet uns Renaldo. Er hat in den Siebzigern ein Jahr in Berlin gelebt und dort in der kubanischen Botschaft gearbeitet. Der alte Herr ist sehr gesprächig und erzählt uns viel über das Leben hier in Kuba, seiner Zeit in Berlin und seinen Töchtern in Kanada. Überall hören wir von den Leuten, wie sich ihre Kinder aufmachen, um im Ausland ein Leben mit mehr Perspektiven zu beginnen. Ein großes Thema ist zur Zeit auch der Besuch von Barack Obama. Viele Kubaner setzen große Hoffnung in ihn. Mit uns in der Casa lebt ein deutsch-kubanisches Paar. Auch mit ihnen sprechen wir über die strengen Gesetze, die sich in erster Linie gegen die kubanische Bevölkerung richten. Geregelt ist zum Beispiel, welche Nahrungsmittel für Einheimische bestimmt sind und welche ausschließlich den Touristen vorbehalten sind (Rindfleisch und Lobster). Auch dürfen sich die Menschen nicht frei in ihrem Land bewegen. So ist Varadero eine Touristenstadt, in der sich Kubaner, die nicht hier wohnen, für ihren Aufenthalt rechtfertigen müssen. Der Kontakt zwischen Einheimischen und Ausländern ist nicht erwünscht. Selbst der Deutschen, die mit einem Kubaner verheiratet ist, ist es nicht gestattet, mit ihm auf seiner privaten Casa in der Provinz zu wohnen.

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