Mit dem Zug durch die Zuckerrohrfelder von Trinidad

Pünktlich um 9:00 Uhr sind wir am Bahnhof, um mit dem Tren de Valle de los Ingenios (Zug des Tals der Indios) die umliegenden Zuckerrohrfelder zu erkunden. Zuerst müssen jedoch die Wagons an den Zug gekoppelt werden. Das erfordert einen enormen Rangieraufwand, da die alte Lok dazu immer die Straße überquert und halb in den Bahnhof einfährt. Das sorgt für ein lustiges Schauspiel, da alle Fahrgäste stets glauben, dass der Zug jetzt aber wirklich einfährt. Macht er aber mindestens fünf mal nicht. Somit startet unsere Fahrt erst gegen 9:45 Uhr. Die Bahn ist übervoll und die Letzten, die den Zug betreten, genießen die Fahrt im Stehabteil. Vorbei geht es an den Vororten von Trinidad, an ersten Feldern und Wiesen und über eine sehr alte, knarrende Brücke. Der Zug bewegt sich in Schrittgeschwindigkeit und es wird klar, die Fahrt wird dauern. In Manama Iznaga halten wir zum ersten Mal. Der kleine Ort wurde offensichtlich von einem Zuckerbaron zum Leben erweckt. Schon von weitem erkennen wir den hohen und massiven Turm, das Wahrzeichen des Ortes. Von dem Turm aus überwachte der Großgrundbesitzer vor wenigen Jahrhunderten seine Sklaven auf den Zuckerrohrfeldern.

Heute scheint Manama Iznaga nur für die anfahrenden Touristen am Leben gehalten zu werden. Dutzend Stände säumen die Straßen, an denen Händler ihre Ware zum Kauf feil bieten. Auch hier gibt es vor allem Tischdecken, bestickten Hemden und anderen typischen Nippes, also gehen wir schnell weiter zum Herrenhaus. Im Hof des heutigen Restaurants steht eine Zuckerrohrpresse, an der wir uns versuchen können. Es bedarf insgesamt sechs Personen, um einem Zuckerrohr den gewünschten Saft abzuringen. Wir staunen, dass man aus einem Zuckerrohr fast einen kleinen Eimer voll Saft gepresst bekommt. Wir lassen es uns nicht nehmen, den Saft auch gleich zu probieren, wie immer in Kuba mit einem kräftigen Schluck Rum. Der Cocktail schmeckt sehr fruchtig und gar nicht so süß wie wir dachten. Vom Herrenhaus schlendern wir weiter zum Turm. Nur Beate hat an diesem warmen Tag Lust, ihn zu besteigen. Eine Stunde setzt sich der Zug wieder in Bewegung zum zweiten und letzten Stopp, der Hacienda Gauchinango. Das kleine Gehöft fungiert heute nur noch als Restaurant. Im Inneren finden sich ein paar alte, nett hergerichtete Zimmer. Warum wir aber hier halten, erschließt sich uns nicht. Wir spazieren durch den Garten der Hacienda und sehen ein paar Reitern bei der Ankunft in den Hof zu.

Zurück in der Stadt hoffen wir darauf, dass das Museo de Historie de Trinidad heute geöffnet hat. Auch in diesem herrschaftlichen Haus lebte damals eine Familie, die ihr Geld mit dem Anbau von Zucker gemacht hat. Prachtvolle große Räume, ein großer Hof sowie eine Garage für die Pferdekutsche sind liebevoll hergerichtet worden. Über eine sehr enge Wendeltreppen besteigen wir den hauseigenen Turm. Oben angekommen erwartet uns ein Blick auf die abendliche Altstadt von Trinidad.

Es ist schon dunkel, da überkommt uns der Hunger. Noch bevor wir uns entschieden haben, eine Pizzeria aufzusuchen, fällt der Strom aus. Die gesamte Stadt und fast alle Straßen sind dunkel. Lediglich das große Hotel in der Ferne hat ein Notstromaggregat. Zum Glück finden wir schnell unsere Taschenlampen. Als der Strom wieder da ist gehen wir los, um uns mit was Essbarem einzudecken. Leider hat der Stromausfall dafür gesorgt, dass sämtliche kleine Läden vorzeitig ihre Türen geschlossen haben. Hungrig und schon wieder ohne Licht treten wir den Rückweg mit unseren Taschenlampen an. Dann müssen wir unseren Bauch eben mit Flüssigkeiten füllen.

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