Ein wenig wie in Ricoletta

Bevor wir heute weiter die Stadt erkunden, wollen wir unsere Weiterreise organisieren. Bisher haben wir Zimmer, Autos und Busse immer nebenbei per Internet gebucht. Das hat oft schon viel Zeit in Anspruch genommen.  Auf Kuba können wir die meisten Dinge nur analog erledigen oder müssen zum nächsten großen Hotel gehen, um dort für viel Geld das Internet zu nutzen. Unseren ursprünglichen Plan, eine Woche in Havanna und die zweite Woche im 800 km entfernten Holguín, im Südwesten der Insel, zu verbringen, haben wir verworfen. Selbst mit einem Taxi wären wir zwei komplette Tage der gemeinsamen zwei Wochen im Auto unterwegs. Statt dessen zieht es uns nach Cienfuegos. Im Hotel Melia am Malecón finden wir Internet für 10 CUC (etwa 10 Euro) die Stunde und stornieren die Zimmer in Holguín. Danach geht´s weiter zum Busterminal von Viazul, um Tickets für die Fahrt zu kaufen.

Schon auf dem Hof bietet uns ein geschäftstüchtiger Taxivermittler für fünf CUC mehr ein Taxi nach Cienfuegos an. Wir überlegen nicht lange und schlagen ein. Unseren Bedenken, dass unsere vier großen Koffer kaum Platz in einem Kofferraum haben werden, begegnet er mit einem Lachen und zeigt auf ein „big american car“. Beschwingt, dass alles so gut geklappt hat, schlendern wir wieder zurück. Es geht vorbei an dem großen Cementerio de Colón, der uns mit seinen Mausoleen an Ricoletta in Buenos Aires erinnert. In einer Eckcafé machen wir Halt und beobachten das Stadtleben und die kubanische Lässigkeit. Um selbst unsere Cocktails anrühren zu können, brauchen wir noch Zucker. Netty und ich machen uns auf, in einen Supermarkt. In einer alten Lagerhalle finden wir drei Tresen aufgestellt. Was es an dem ersten gibt, finden wir nicht heraus, aber am zweiten wird aus großen Säcken „Schüttgut“ verkauft. Wir haben Hoffnung, hier auch Zucker zu bekommen. Aus der Warteschlange beobachten wir, wie die Einheimischen ihre Wertmarken gegen Lebensmittel eintauschen. Ein paar Meter weiter räkelt sich eine rote Katze müde auf dem Ladentisch und wirft immer wieder verstohlene Blicke auf den dritten Tresen, an dem Fleisch verkauft wird. Als wir an der Reihe sind, reagiert die Verkäuferin auf unsere Frage nach dem Zucker nur mit einem leichten Kopfnicken. Wir legen unsern CUC auf den Tresen und bekommen etwa ein Kilo Zucker. Mit dem Zucker in der Tüte ziehen wir wieder von dannen – froh, dass auch das so reibungslos funktioniert hat.

Zurück auf unserem Dach üben wir uns an unseren eigenen Mojitos. Das Ergebnis schmeckt uns. In beschwingter Urlaubsstimmung verbringen wir den Abend in einem Club namens Yellow Submarine. Der Niederländer, der mit uns in der Casa Carmen wohnt, feiert heute seinen 64. Geburtstag. Er nimmt uns mit und wir stoßen bei toller Livemusik zu den Rockhymnen der letzten fünfzig Jahre auf ihn an.

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